selbst betroffen sind als auch wenn Ihr Kind eine ADHS-Diagnose hat, wer zahlt und wie Sie Schritt für Schritt einen Antrag stellen können: mit konkreten Optionen für Entlastung im Alltag.
ADHS kurz erklärt
ADHS ist eine neurologisch bedingte Entwicklungsstörung, die meist bereits im Kindesalter beginnt und sich auf die Entwicklung und den Alltag in der Kindheit auswirkt. Die Signalübertragung im Gehirn ist bei ADHS verändert. Insbesondere die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin spielen eine wichtige Rolle bei der Filterung von Reizen und der Konzentration. ADHS betrifft sowohl Kinder als auch Erwachsene und bleibt oft ein Leben lang bestehen. Zucker oder Erziehungsfehler sind keine Ursachen für die Entstehung dieser Störung. Im Unterschied zu ADS, bei dem das Aufmerksamkeitsdefizit ohne ausgeprägte Hyperaktivität im Vordergrund steht, ist bei ADHS die Hyperaktivität ein zentrales Symptom, was auch für die Einschätzung des Pflegebedarfs relevant ist. Menschen mit ADHS verfügen oft über besondere Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und Hilfsbereitschaft.
ADHS und Haushalt: Warum das oft nicht zusammenpasst
Bei Betroffenen mit ADHS wirken die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin anders im Gehirn. Das zeigt sich durch drei Hauptmerkmale: Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität und Impulsivität. Diese Störung betrifft vor allem die sogenannten Exekutivfunktionen, also den sogenannten inneren „Sekretär im Kopf“. Verständliche Erläuterungen der Symptome und Auswirkungen von ADHS sind wichtig, um die Herausforderungen im Alltag nachvollziehen zu können.
Typische Probleme bei ADHS sind:
- Planung (Was mache ich zuerst?)
- Priorisierung (Was ist wirklich wichtig?)
- Motivation starten und halten
- Reize filtern (Geräusche, Gedanken, Handy, Kinder, To-dos)
Zu den Anzeichen von ADHS zählen Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeit, eine ausgeprägte Hyperaktivität und impulsives Verhalten. Die Symptome von ADHS können zu Lernschwierigkeiten und Problemen mit dem Sozialverhalten führen.
Im Alltag bedeutet das häufig:
- Sie fangen Dinge an, beenden sie aber nicht.
- Sie stehen bei vielen Aufgaben gleichzeitig wie „eingefroren” da.
- Statt ins Tun zu kommen, entsteht innere Blockade und Scham.
Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine direkte Folge der Funktionsweise Ihres Gehirns. Unterstützung im Haushalt kann hier eine medizinisch und sozialrechtlich sinnvolle Entlastung sein und kein Luxus, den Sie sich erst verdienen müssen.
Was ist eine Haushaltshilfe?
Eine Haushaltshilfe ist eine Person oder ein Dienst, der Sie bei Aufgaben unterstützt, die Sie aus gesundheitlichen Gründen gerade nicht oder nicht ausreichend selbst bewältigen können. Psychische Beeinträchtigungen wie ADHS können den Aufwand im Alltag deutlich erhöhen, da die Alltagsbewältigung oft mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden ist. Der erhöhte Aufwand bei der Alltagsbewältigung aufgrund solcher Beeinträchtigungen kann ein Kriterium für die Bewilligung einer Haushaltshilfe sein.
Typische Aufgaben einer Haushaltshilfe:
- Wohnung reinigen (Staubsaugen, Wischen, Bad, Küche)
- Wäsche waschen, aufhängen, zusammenlegen
- Einkaufen, einfache Mahlzeiten vorbereiten
- Kinder betreuen, wenn Sie vorübergehend selbst dazu nicht in der Lage sind
Das Ziel ist immer Entlastung und Stabilisierung im Alltag und nicht, dass jemand für Sie putzt, weil Sie „keine Lust“ haben.
Haben ADHS-Betroffene Anspruch auf Haushaltshilfe?
Ob Sie als Person mit ADHS Anspruch auf eine Haushaltshilfe haben, hängt nicht allein von der Diagnose ab, sondern vor allem von:
- der Schwere Ihrer Einschränkung im Alltag und den damit verbundenen Beeinträchtigungen im Vergleich zu gesunden Altersgenossen
- Ihrer familiären Situation (z. B. Kinder im Haushalt)
- der Frage, ob jemand anderes im Haushalt helfen kann
Menschen mit ADHS sind häufig bereits im Kindesalter oder in der Kindheit betroffen. Die Erkrankung kann sich auf die Entwicklung und den Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auswirken.
Die Pflegebedürftigkeit bei ADHS wird oft nicht sofort anerkannt, da die Symptome nicht dem klassischen Bild von Pflegebedürftigkeit entsprechen und die alltäglichen Beeinträchtigungen in der Regel nicht stark genug sind. Die Pflegeversicherung prüft den Antrag auf einen Pflegegrad anhand gesetzlich festgelegter Kriterien, die die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person bewerten. Die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern mit ADHS erfolgt im Vergleich zu gesunden Kindern. In der Regel wird Pflegebedürftigkeit bei ADHS nur in schweren Fällen anerkannt.
Weg 1: Haushaltshilfe über die Krankenkasse bei ADHS
Die gesetzliche Krankenkasse kann Haushaltshilfe zahlen, wenn Sie Ihren Haushalt wegen Krankheit vorübergehend nicht weiterführen können.
Wichtige Punkte:
- Klassisch: nach Krankenhausaufenthalt, Kur, Reha, schwerer akuter Krankheit
- Auch psychische Erkrankungen wie ADHS oder ADS können ein Grund sein, wenn sie Sie so einschränken, dass Sie Ihren Haushalt nicht führen können
- Oft wird ein Kind unter 12 Jahren oder mit Behinderung im Haushalt vorausgesetzt; Kassensatzungen können aber weitergehende Regelungen zulassen
ADHS kann als psychische Erkrankung relevant sein, insbesondere wenn es zu einer schweren Verschlechterung kommt und so auch andere Erkrankungen, wie Depressionen oder Burn-out entstehen.
Voraussetzungen für eine Haushaltshilfe bei ADHS im Überblick
- Ärztliche Bescheinigung: Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bestätigt, dass Sie aufgrund Ihrer Erkrankung Ihren Haushalt nicht weiterführen können
- Konkrete Einschränkung: Es muss nachvollziehbar sein, dass Sie relevante Alltagsaufgaben nicht mehr bewältigen „nur gestresst sein” reicht nicht. Psychische Beeinträchtigungen wie ADHS und der damit verbundene erhöhte Aufwand bei der Alltagsbewältigung können die Voraussetzungen für eine Haushaltshilfe beeinflussen.
- Kinder im Haushalt: Besonders relevant bei Kindern unter 12 Jahren oder Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf. Bei Kindern mit ADHS sollte der zusätzliche Pflegeaufwand im Vergleich zu gesunden Kindern dokumentiert werden.
- Dokumentation des Pflegeaufwands: Führen Sie ein Pflegetagebuch, um den tatsächlichen Hürden Ihres Alltags aufzuzeichnen. Dies unterstützt die Einschätzung des Gutachters bei der Antragstellung.
Weg 2: Haushaltshilfe über die Pflegekasse – lohnt sich der Antrag?
Wenn Ihre Selbstständigkeit dauerhaft deutlich eingeschränkt ist, können Sie einen Pflegegrad bei ADHS beantragen. Psychische Erkrankungen und Störungen wie ADHS oder ADS werden dabei berücksichtigt, wenn sie Ihre Alltagskompetenz und die Teilhabe am Alltagsleben und sozialer Kontakte stark mindern. Dies betrifft Menschen aller Altersgruppen vom Kindesalter über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen.
Die Feststellung des Pflegegrads erfolgt durch eine Pflegebegutachtung, die in der Regel durch den Medizinischen Dienst (MD) im häuslichen Umfeld des betroffenen Menschen durchgeführt wird. Dabei werden die tatsächlichen Beeinträchtigungen und der individuelle Unterstützungsbedarf beurteilt.
Betroffene sollten den Gutachter während des Begutachtungstermins umfassend über alle relevanten Aspekte der Pflege und Unterstützung informieren. Eine gute Vorbereitung auf den Begutachtungstermin ist entscheidend, um den tatsächlichen Pflegebedarf, insbesondere den erhöhten Betreuungs- und Organisationsaufwand bei ADHS, deutlich zu machen, da dieser nicht immer automatisch erkannt wird. Es empfiehlt sich, den täglichen Aufwand und die Unterstützung in einem Pflegetagebuch zu dokumentieren.
Relevante Module bei der Anerkennung des Pflegegrades bei ADHS
Die Pflegekasse prüft bei der Begutachtung unter anderem:
- Selbstversorgung
- Bewältigung von Anforderungen des Alltags
- Umgang mit psychischen und kognitiven Einschränkungen
Im Rahmen der Begutachtung werden verschiedene Module bewertet. Besonders relevant bei ADHS ist Modul 3, das die Verhaltensweisen und psychische Problemlagen erfasst. Auch die Fähigkeit zur Integration ins Alltagsleben und zur Pflege sozialer Kontakte wird als zentrales Kriterium betrachtet.
Auch das Modul zur Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte spielt eine wichtige Rolle, da Beeinträchtigungen in diesen Bereichen den Pflegeaufwand erhöhen können. Die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern mit ADHS erfolgt immer im Vergleich zu gesunden Altersgenossen. Ein Kind mit ADHS benötigt häufig mehr Betreuung, Anleitung und Aufsicht als andere Gleichaltrige. Der tatsächliche Aufwand wird dokumentiert und mit dem Pflegeaufwand bei gesunden Kindern im gleichen Alter verglichen. Diese Erläuterungen gelten sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene Patienten mit ADHS, da die Beeinträchtigungen und der Unterstützungsbedarf individuell unterschiedlich ausfallen können. Menschen mit ADHS, die bereits in der Kindheit oder Jugend auffällig waren, können auch im Erwachsenenalter weiterhin auf Unterstützung angewiesen sein.
Seit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade werden die Einschränkungen umfassender bewertet. Der Pflegegrad bei ADHS wird unter bestimmten Voraussetzungen vergeben, wenn die Störung zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag führt.
Entscheidend sind Ihre konkreten Alltagsfähigkeiten:
- Schaffen Sie es, regelmäßig zu essen und zu trinken?
- Können Sie Termine, Medikamente und Tagesstruktur selbst organisieren?
- Ist Ihr Haushalt dauerhaft in einem Zustand, der Sie oder Kinder gefährdet?
- Brauchen Sie regelmäßig Hilfe bei grundlegenden Aufgaben (Einkaufen, Kochen, Wäsche, Körperpflege)?
Was ein Pflegegrad bei ADHS konkret bringt
Mit Pflegegrad 1 oder 2 können Ihnen zustehen:
- Pflegegeld (ab Pflegegrad 2) oder Pflegesachleistungen
- Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich für anerkannte Unterstützungsleistungen im Haushalt (z. B. Putzdienst, Betreuungsdienst)
- Ggf. weitere Leistungen wie Tagespflege, Kurzzeitpflege oder kombinierte Modelle
Pflegegrad/Pflegestufe bei ADHS: Beispiele aus dem Alltag
Lisa (32) hat ADHS und depressive Phasen. Sie schafft es kaum, ihre Wohnung zu reinigen und Einkäufe zu organisieren, vergisst Termine, lässt Wäsche stehen, isst unregelmäßig. Mit Pflegegrad 2 nutzt sie den Entlastungsbetrag für eine regelmäßige Haushaltshilfe. Das reduziert ihre Überforderung deutlich und gibt ihr Raum, sich auf ihre Behandlung zu konzentrieren.
Familie M. hat einen achtjährigen Sohn mit ADHS, der viel Anleitung, ständige Beaufsichtigung und Hilfe bei Hausaufgaben und Alltagsstrukturen braucht. Die Eltern sind stark belastet, der Haushalt bleibt oft liegen. Der Sohn erhält einen Pflegegrad und die Familie nutzt den Entlastungsbetrag für Haushaltshilfe und familienentlastende Betreuung.
Wichtig: Die Diagnose ADHS allein garantiert keinen Pflegegrad. Es kommt auf die konkrete Einschränkung Ihrer Selbstständigkeit an.
Weg 3: Haushaltshilfe über das Sozialamt
Wenn weder Krankenkasse noch Pflegekasse zahlen und Sie die Hilfe nicht selbst finanzieren können, kann das Sozialamt zuständig sein, allerdings ist diese Form der Unterstützung nachrangig und einkommensabhängig. Dabei spielt die Art der Versicherung eine Rolle, da sie den Antragsprozess und die Zuständigkeit beeinflussen kann.
Mögliche Rechtsgrundlagen:
- § 70 SGB XII – Hilfe zur Weiterführung des Haushalts bei Krankheit oder Behinderung
- Eingliederungshilfe oder ambulant betreutes Wohnen bei seelischen Behinderungen
- Hilfen bei besonderen sozialen Schwierigkeiten – z. B. bei drohendem Wohnungsverlust
Das Sozialamt prüft immer Einkommen und Vermögen sowie ob andere Leistungsträger vorrangig zuständig sind. Besonders bei psychischen Störungen wie ADHS, die mit erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag einhergehen, wird der erhöhte Aufwand für die Betreuung und Unterstützung von Menschen mit ADHS berücksichtigt. Psychische Beeinträchtigungen und der damit verbundene zusätzliche Aufwand können die Entscheidung des Sozialamts maßgeblich beeinflussen. Menschen mit ADHS sind häufig auf zusätzliche Unterstützung angewiesen, um die Herausforderungen im Alltag zu bewältigen.
Kinder mit ADHS: Besonderheiten bei Anspruch und Antragstellung
Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stellen Familien im Alltag vor besondere Herausforderungen. Die Diagnose ADHS allein führt jedoch nicht automatisch zu einem Anspruch auf einen Pflegegrad oder Pflegeleistungen. Entscheidend ist, wie stark die Selbstständigkeit des Kindes im Alltag eingeschränkt ist und wie hoch der zusätzliche Betreuungsaufwand im Vergleich zu gesunden Kindern tatsächlich ausfällt.
Eltern, die für ihr Kind mit ADHS Unterstützung durch die Pflegeversicherung beantragen möchten, sollten sich frühzeitig mit den Voraussetzungen und dem Ablauf der Antragstellung vertraut machen. Ein Pflegegrad bei ADHS wird in der Regel nur dann anerkannt, wenn die Pflegebedürftigkeit deutlich über das übliche Maß hinausgeht und der Alltag der Familie durch die Symptome und Verhaltensweisen des Kindes erheblich belastet wird. Dazu zählen zum Beispiel erhebliche Schwierigkeiten bei der Gestaltung des Alltagslebens, der Selbstversorgung oder im Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen.
Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) ist ein zentraler Schritt im Antragsprozess. Hierbei werden verschiedene Lebensbereiche bewertet, darunter die Selbstständigkeit des Kindes, die Bewältigung von Anforderungen im Alltag, die Pflege sozialer Kontakte sowie verhaltensbezogene und psychische Problemlagen. Eltern sollten den tatsächlichen Betreuungsaufwand und die individuellen Einschränkungen ihres Kindes möglichst genau dokumentieren. Ein Pflegetagebuch, in dem tägliche Hilfestellungen, Anleitung und Beaufsichtigung festgehalten werden, ist dabei ein wertvolles Hilfsmittel. So können Sie nachvollziehbar machen, wie viel zusätzliche Unterstützung Ihr Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen benötigt.
Wichtig ist auch, emotionale und soziale Belastungen nicht zu verschweigen. Viele Eltern erleben durch die ständige Begleitung, Organisation und emotionale Unterstützung eine hohe Belastung, die im Rahmen der Begutachtung unbedingt angesprochen werden sollte. Nur so kann der tatsächliche Pflegebedarf realistisch eingeschätzt und ein passender Pflegegrad bei ADHS zuerkannt werden.
Die Pflegekassen bieten umfassende Beratung zu den Voraussetzungen, zur Antragstellung und zu den möglichen Pflegeleistungen. Neben finanzieller Unterstützung durch die Pflegeversicherung gibt es zahlreiche weitere Hilfsangebote: von familienunterstützenden Diensten über therapeutische Angebote bis hin zu Selbsthilfegruppen und Pflegeberatung. Auch Großeltern, Freunde und soziale Netzwerke können im Alltag eine wichtige Entlastung bieten.
Eltern von Kindern mit ADHS sollten sich nicht scheuen, die vorhandenen Unterstützungsangebote zu nutzen und den Antrag auf einen Pflegegrad sorgfältig vorzubereiten. Mit einer guten Dokumentation, einer realistischen Einschätzung des Betreuungsaufwands und dem Rückhalt durch professionelle Beratung können Familien die Herausforderungen der Pflege und Betreuung besser meistern und die Lebensqualität für alle Beteiligten verbessern.
Vorbereitung auf die MDK-Begutachtung: So überzeugen Sie im Termin
Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MDK) ist ein zentraler Schritt auf dem Weg zum Pflegegrad. Eine gute Vorbereitung kann entscheidend sein, damit der tatsächliche Pflegebedarf und die Herausforderungen im Alltag realistisch eingeschätzt werden.
So bereiten Sie sich optimal auf den Termin vor:
- Alle Unterlagen griffbereit: Sammeln Sie ärztliche Diagnosen, Berichte von Therapeut:innen, Schul- oder Kita-Bescheinigungen und führen Sie ein Pflegetagebuch. Notieren Sie darin, wie viel Unterstützung Ihr Kind im Alltag benötigt, etwa bei der Gestaltung des Alltagslebens, bei der Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen oder bei der Pflege sozialer Kontakte.
- Pflegeaufwand dokumentieren: Halten Sie fest, wie oft und in welchen Situationen Ihr Kind Anleitung, Beaufsichtigung oder Hilfe braucht. Beschreiben Sie typische ADHS-Symptome wie Impulsivität, Konzentrationsprobleme oder Schwierigkeiten bei der Selbstständigkeit und wie sich diese auf den Alltag auswirken.
- Fragen des Gutachters vorbereiten: Überlegen Sie im Vorfeld, welche konkreten Beispiele Sie nennen können, um den erhöhten Betreuungsaufwand zu verdeutlichen. Seien Sie ehrlich: Auch kleine, aber regelmäßige Hilfen summieren sich und sind für die Einschätzung des Pflegegrads wichtig.
- Unterstützung mitnehmen: Es kann hilfreich sein, eine vertraute Person zum Termin mitzunehmen. Angehörige oder Pflegepersonen können zusätzliche Beobachtungen schildern und den Gutachter bei der Einschätzung unterstützen.
- Offenheit zeigen: Scheuen Sie sich nicht, auch belastende oder unangenehme Situationen zu schildern. Der Gutachter ist darauf angewiesen, ein realistisches Bild vom Alltag und den tatsächlichen Einschränkungen zu bekommen.
Je besser Sie den Alltag und die besonderen Anforderungen durch die ADHS-Diagnose Ihres Kindes dokumentieren, desto größer sind die Chancen, dass der Pflegebedarf und damit der Antrag auf einen Pflegegrad anerkannt wird. Eine sorgfältige Vorbereitung auf die Begutachtung ist daher der Schlüssel zum Erfolg.
Schritt für Schritt: So beantragen Sie Haushaltshilfe bei ADHS
1. Bedarf klären & Dokumentation
- Aufgaben notieren, die liegen bleiben (Putzen, Wäsche, Einkaufen, Kinderorganisation)
- Gefühle festhalten (Überforderung, Blockade, Erschöpfung)
- Gefährdungssituationen dokumentieren (z. B. Stolperfallen, unbeaufsichtigte Kinder)
- Bei Kindern mit ADHS: zusätzlichen Betreuungsaufwand beschreiben
- Idealerweise Pflegetagebuch führen
2. Ärztliche Bescheinigung einholen
- Gespräch mit Hausarzt / Psychiater / Facharzt
- Bescheinigung über eingeschränkte Haushaltsführung einholen
- Kinder und besondere Belastungen erwähnen
- ADHS (bei Ihnen oder Ihrem Kind) und Auswirkungen konkret darstellen
3. Antrag stellen
- Krankenkasse:
- Formular anfordern
- Attest einreichen
- Zeitraum & Umfang angeben
- Pflegekasse:
- Antrag auf Pflegegrad stellen
- Beim Gutachter ehrlich Einschränkungen schildern
4. Bescheid prüfen & ggf. Widerspruch
- Genehmigung: Umfang, Dauer, Kosten prüfen
- Ablehnung: innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen
- Einschränkungen ausführlich begründen + ärztliche Nachweise beifügen
5. Haushaltshilfe finden
- Anbieter mit Erfahrung bei ADHS / psychischen Belastungen wählen
- Ziel: Unterstützung ohne Bewertung
Unterstützungsangebote und Anlaufstellen für ADHS-Betroffene
Wer mit ADHS im Alltag zu kämpfen hat, sei es als Betroffener, Elternteil oder Angehöriger, muss die Herausforderungen nicht allein bewältigen. Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote, die Ihnen helfen, den Alltag zu strukturieren, die Pflege zu organisieren und die Selbstständigkeit zu fördern.
Wichtige Anlaufstellen und Hilfen:
- Pflegekassen: Sie beraten umfassend zu allen Fragen rund um den Pflegegrad, die Antragstellung und die Leistungen der Pflegeversicherung. Hier erhalten Sie auch Informationen zu Entlastungsleistungen und Unterstützungsmöglichkeiten im Bereich Pflege und Betreuung.
- Pflegeberatung: Unabhängige Pflegeberater:innen helfen Ihnen kostenlos bei der Einschätzung des Pflegebedarfs, der Auswahl passender Pflegeleistungen und begleiten Sie durch den gesamten Antragsprozess.
- ADHS-Selbsthilfeverbände: Organisationen oder lokale Selbsthilfegruppen bieten Austausch, Beratung und praktische Tipps für den Alltag mit ADHS, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.
- Therapieangebote: Spezialisierte Therapeut:innen unterstützen Betroffene dabei, ADHS-Symptome zu lindern, die Alltagskompetenz zu stärken und individuelle Strategien für mehr Selbstständigkeit zu entwickeln.
- Pflegedienste: Ambulante Pflegedienste übernehmen, je nach Pflegegrad, Aufgaben im Haushalt, bei der Betreuung oder der Pflege und entlasten so Familien und Angehörige.
- Familienunterstützende Dienste: Diese Angebote richten sich speziell an Familien mit Kindern mit ADHS oder anderen chronischen Erkrankungen. Sie bieten Beratung, Betreuung und praktische Hilfe im Alltag.
- Online-Ressourcen: Im Internet finden Sie zahlreiche Informationsportale, Foren und Beratungsangebote rund um ADHS, Pflegeleistungen und die Gestaltung des Alltagslebens.
Nutzen Sie diese vielfältigen Unterstützungsangebote, um den Alltag mit ADHS zu erleichtern, die Pflege zu organisieren und die Lebensqualität für alle Beteiligten zu verbessern. Gerade bei der Beantragung eines Pflegegrads oder bei Fragen zu Pflegeleistungen lohnt es sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, so erhalten Sie die Unterstützung, die Sie und Ihre Familie wirklich brauchen.
Häufige Fragen zu ADHS & Haushaltshilfe
Zahlt die Krankenkasse Haushaltshilfe bei ADHS?
Sie kann, wenn ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) oder auch ADS in Kombination mit weiteren Faktoren (z. B. akute Verschlechterung, Kinder im Haushalt, begleitende Depression) dazu führt, dass Sie den Haushalt vorübergehend nicht führen können. Einen automatischen Anspruch gibt es nicht. Leben Kinder mit ADHS oder ADS in Ihrem Haushalt, kann das ein wichtiges Argument sein, viele Krankenkassen sind in solchen Konstellationen offener, Haushaltshilfe befristet zu bewilligen. Die Beantragung erfolgt in der Regel bei der jeweiligen Versicherung.
Wie lange wird Haushaltshilfe übernommen?
Das hängt vom Kostenträger ab: Die Krankenkasse bewilligt meist zeitlich begrenzt. Über den Entlastungsbetrag der Pflegekasse ist Unterstützung dauerhaft möglich, solange der Pflegegrad besteht. Bei Kindern mit ADHS wird der tatsächliche Aufwand und die Beeinträchtigungen im Vergleich zu gesunden Altersgenossen berücksichtigt, insbesondere wenn ein Pflegegrad bei ADHS anerkannt wurde.
Was genau übernimmt die Haushaltshilfe bei ADHS?
Wohnungsreinigung, Wäschepflege, Einkaufen, teilweise Essenszubereitung, ggf. Kinderbetreuung immer in dem Umfang, der medizinisch begründet ist und individuell mit der Kasse abgestimmt wird. Bei Menschen mit ADHS, insbesondere im Kindesalter oder bei Jugendlichen, können auch besondere Unterstützungsleistungen im Alltag und bei der Bewältigung von Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen notwendig sein.
Fazit: Unterstützung bei ADHS
Wenn ADHS dazu führt, dass der Haushalt zum unüberwindbaren Berg wird, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck einer neurobiologischen Störung. Menschen mit ADHS haben aufgrund ihrer Störung und der damit verbundenen Beeinträchtigungen sowie des erhöhten Aufwands Anspruch auf Unterstützung. Eine gute Erläuterung der individuellen Situation und des täglichen Aufwands, zum Beispiel durch ein Pflegetagebuch, erhöht die Chancen auf entsprechende Hilfe.
Wenn Ihr Kind ADHS hat, lohnt es sich ganz besonders, die Möglichkeiten von Haushaltshilfe, Pflegegrad und Entlastungsleistungen zu prüfen, denn die Unterstützung ist nicht nur für Ihr Kind gedacht, sondern auch dafür, Sie als Eltern im Alltag zu entlasten.
Ihre nächsten Schritte:
- Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Überforderung im Haushalt
- Prüfen Sie, ob ein Antrag bei der Krankenkasse, Pflegekasse oder dem Sozialamt sinnvoll ist
- Holen Sie sich Unterstützung beim Ausfüllen der Anträge – und wenn nötig beim Widerspruch