Aphasie im Alltag: Tipps für Betroffene und Angehörige

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Herr M., 62 Jahre alt, trinkt morgens seinen Kaffee wie immer – doch als seine Frau ihn fragt, ob er noch Zucker möchte, öffnet er den Mund und findet die Worte nicht. Stattdessen hört er sich selbst sagen: „Das – das Dingsbums, ja, das …“ Seine Frau erschrickt. Er erschrickt. Ein Schlaganfall wenige Wochen zuvor hat Herrn M. das geraubt, was er für selbstverständlich hielt: seine Sprache. Aphasie ist keine seltene Erkrankung. In Deutschland leben schätzungsweise 200.000 Menschen mit einer erworbenen Aphasie, viele davon zu Hause, in den eigenen vier Wänden, und oft mit unzureichender Unterstützung. Dieser Ratgeber erklärt, was…

Gehirn in fehlendem Puzzleteil auf weißem Puzzle
Inhaltsverzeichnis

Herr M., 62 Jahre alt, trinkt morgens seinen Kaffee wie immer – doch als seine Frau ihn fragt, ob er noch Zucker möchte, öffnet er den Mund und findet die Worte nicht. Stattdessen hört er sich selbst sagen: „Das – das Dingsbums, ja, das …“ Seine Frau erschrickt. Er erschrickt. Ein Schlaganfall wenige Wochen zuvor hat Herrn M. das geraubt, was er für selbstverständlich hielt: seine Sprache.

Aphasie ist keine seltene Erkrankung. In Deutschland leben schätzungsweise 200.000 Menschen mit einer erworbenen Aphasie, viele davon zu Hause, in den eigenen vier Wänden, und oft mit unzureichender Unterstützung. Dieser Ratgeber erklärt, was Aphasie ist, welche Formen es gibt, wie die Therapie aussieht und welche Hilfen – vom Pflegegrad bis zur Haushaltshilfe – Betroffenen und Angehörigen zustehen.

Was ist Aphasie? Definition und Bedeutung für Betroffene

Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch eine Schädigung bestimmter Areale des Gehirns entsteht. Sie betrifft Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben gleichermaßen, also alle vier zentralen sprachlichen Fähigkeiten eines Menschen. Aphasie ist keine Erkrankung der Intelligenz: Das Denken, Fühlen und Erleben von Aphasiker:innen bleibt in der Regel vollständig erhalten. Eingeschränkt ist allein die Fähigkeit, Gedanken in Sprache zu übersetzen oder sprachliche Informationen aufzunehmen.

Die Auswirkungen dieser Sprachstörung sind tiefgreifend. Was für die meisten Menschen mühelos funktioniert, kann für Menschen mit Aphasie zu einer enormen Herausforderung oder gar zur Unmöglichkeit werden.

Aphasie ist nicht gleich Aphasie

Der Begriff Aphasie beschreibt kein einheitliches Krankheitsbild. Vielmehr ist er ein Oberbegriff für verschiedene Formen der Sprachstörung, die sich je nach Ort und Ausmaß der Hirnschädigung unterscheiden. Manche Betroffene können zwar flüssig sprechen, aber kaum etwas verstehen; andere verstehen gut, finden aber kaum Worte; wieder andere sind in fast allen Bereichen der Sprachfunktion stark eingeschränkt. Diese Vielfalt macht Aphasie zu einem komplexen Thema, sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihre Angehörigen und die behandelnden Fachkräfte.

Ursachen der Aphasie: Wenn das Gehirn Schaden nimmt

Aphasie entsteht immer dann, wenn bestimmte Sprachzentren des Gehirns, insbesondere in der linken Hirnhälfte, durch eine akute oder schleichende Schädigung beeinträchtigt werden. Die häufigste Ursache ist der Schlaganfall, doch es gibt weitere Auslöser:

Schlaganfall – die häufigste Ursache

Rund 80 Prozent aller Aphasie-Fälle gehen auf einen Schlaganfall zurück. Beim Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung geschädigt. Wenn die betroffenen Areale in der linken Hemisphäre liegen, insbesondere das Broca-Areal oder das Wernicke-Areal, resultiert daraus fast immer eine Sprachstörung. Die Deutsche Schlaganfallhilfe schätzt, dass jährlich mehr als 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall erleiden. Ein erheblicher Teil davon entwickelt als Folge eine Aphasie.

Schädel-Hirn-Trauma

Unfälle, Stürze oder Gewalteinwirkungen, die zu einem Schädel-Hirn-Trauma führen, können ebenfalls Sprachzentren des Gehirns verletzen. Die Folge ist eine posttraumatische Aphasie, die sich in Art und Schwere je nach Verletzungsort unterscheidet. Besonders jüngere Menschen sind von dieser Ursache betroffen, etwa nach Verkehrsunfällen oder Sportunfällen.

Hirntumore

Tumore im Bereich der Sprachzentren können durch Verdrängung oder direkte Schädigung des Hirngewebes eine Aphasie verursachen. Abhängig von Wachstumsgeschwindigkeit und Lage des Tumors entwickelt sich die Sprachstörung oft schleichend, was die Diagnose erschwert.

Entzündliche Erkrankungen des Gehirns

Entzündungen wie eine virale Enzephalitis (Gehirnentzündung) können Hirngewebe schädigen und zu Aphasie führen. Auch autoimmune Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen, können in seltenen Fällen Sprachstörungen auslösen.

Landau-Kleffner-Syndrom

Das Landau-Kleffner-Syndrom ist eine seltene Erkrankung bei Kindern, bei der es zu einer erworbenen epileptischen Aphasie kommt. Dabei verlieren Kinder, die zuvor normal gesprochen haben, zunehmend ihre sprachlichen Fähigkeiten, oft begleitet von epileptischen Anfällen. Das Syndrom betrifft vor allem Kinder zwischen drei und sieben Jahren und erfordert eine spezialisierte neurologische und sprachtherapeutische Behandlung.

Neurodegenerative Erkrankungen

Bei Erkrankungen wie der frontotemporalen Demenz, der primär progressiven Aphasie (PPA) oder Morbus Alzheimer kann es im Verlauf zu einem schleichenden Sprachverlust kommen. Diese Formen der Aphasie unterscheiden sich von der akut einsetzenden Aphasie nach Schlaganfall dadurch, dass sich die Sprechfähigkeit mit der Zeit immer weiter verschlimmert.

Formen der Aphasie: Ein Überblick

In der klinischen Praxis werden verschiedene Formen der Aphasie unterschieden. Die Einteilung richtet sich danach, welche Teilbereiche der Sprache besonders betroffen sind. Die Kenntnis der jeweiligen Form ist wichtig, um eine gezielte Aphasietherapie zu planen.

Broca-Aphasie

Die Broca-Aphasie entsteht durch eine Schädigung des Broca-Areals. Sie gilt als eine der am häufigsten diagnostizierten Formen der Aphasie nach Schlaganfall. Kennzeichnend ist:

  • Sehr langsames, angestrengtes Sprechen
  • Kurze, vereinfachte Sätze – oft ohne Grammatik
  • Wortfindungsstörungen, häufige Pausen beim Sprechen
  • Sprachverständnis meist relativ gut erhalten
  • Lesen und Schreiben ebenfalls eingeschränkt

Für Betroffene ist die Broca-Aphasie besonders belastend, weil sie ihre eigenen Einschränkungen sehr deutlich wahrnehmen. Der innere Gedanke ist klar, aber die Worte kommen nicht heraus. Viele berichten von tiefer Frustration, Scham und sozialer Isolation.

Wernicke-Aphasie

Die Wernicke-Aphasie entsteht durch eine Schädigung des Wernicke-Areals. Im Gegensatz zur Broca-Aphasie sprechen Betroffene flüssig und ohne große Anstrengung. Das Problem liegt in der Bedeutung der Sprache:

  • Flüssiges Sprechen, aber mit falschen oder erfundenen Wörtern
  • stark beeinträchtigtes Sprachverständnis
  • Betroffene bemerken ihre eigenen Fehler häufig nicht
  • Beim Lesen und Schreiben ebenfalls große Schwierigkeiten

Die Wernicke-Aphasie wird von Außenstehenden oft als Verwirrtheit oder psychische Erkrankung missgedeutet, was für die Betroffenen zusätzlich belastend ist. Angehörige brauchen oft spezifische Beratung, um die Kommunikation mit wernicke-aphasischen Menschen zu lernen.

Globale Aphasie

Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Aphasie. Sie entsteht durch eine großflächige Hirnschädigung, die sowohl das Broca- als auch das Wernicke-Areal und die Verbindungswege zwischen ihnen betrifft. Bei der globalen Aphasie sind alle sprachlichen Fähigkeiten hochgradig eingeschränkt:

  • Kaum oder kein Sprechen möglich
  • Sprachverständnis massiv beeinträchtigt
  • Lesen und Schreiben kaum möglich
  • Kommunikation über Gestik, Mimik und alternative Kommunikationsmittel bleibt oft möglich

Trotz dieser schweren Einschränkungen ist die globale Aphasie nicht gleichbedeutend mit geistiger Beeinträchtigung. Viele Betroffene sind in der Lage, Emotionen zu zeigen, Situationen einzuschätzen und nichtsprachlich zu kommunizieren. Eine intensive Aphasietherapie und konsequente Förderung sind auch hier sinnvoll und können die Lebensqualität deutlich verbessern.

Symptome der Aphasie: Was Betroffene erleben

Die Symptome einer Aphasie sind vielschichtig und unterscheiden sich je nach Form und Schweregrad. Sie betreffen immer die vier sprachlichen Grundfähigkeiten: Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Hinzu kommen oft psychosoziale Folgen, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen tiefgreifend beeinflussen.

Symptome im Bereich Sprechen

  • Wortfindungsstörungen: Das richtige Wort fällt nicht ein
  • Paraphasien: Verwechslung von Lauten, Silben oder Wörtern (z. B. „Tasse“ statt „Glas“)
  • Neologismen: Erfundene Wörter ohne Bedeutung
  • Agrammatismus: Fehlen grammatikalischer Strukturen im Satz
  • •Verlangsamtes oder stockendes Sprechen
  • Stereotypien: immer wiederkehrende Ausrufe oder Wörter

Symptome im Bereich Verstehen

  • Eingeschränktes Sprachverständnis: Gesprochenes wird nur teilweise oder gar nicht verstanden
  • Schwierigkeiten bei komplexen oder schnell gesprochenen Sätzen
  • Verständnisprobleme in lauten oder ablenkenden Umgebungen
  • Probleme mit abstrakten oder grammatikalisch komplexen Aussagen 

Symptome beim Lesen und Schreiben

  • Lesen: Buchstaben oder Wörter werden verwechselt, Texte können nicht verstanden werden
  • Schreiben: Buchstaben oder Wörter werden ausgelassen, verdreht oder falsch geschrieben
  • Beim Lesen oft verlangsamtes Tempo und häufige Fehler
  • Schreiben fällt in vielen Fällen schwerer als Sprechen 

Diagnose: Wie wird Aphasie festgestellt?

Die Diagnose einer Aphasie erfolgt durch eine umfassende neuropsychologische und sprachtherapeutische Untersuchung. In Deutschland kommen dabei standardisierte Testverfahren zum Einsatz, die alle sprachlichen Teilbereiche systematisch erfassen.

Standardisierte Testverfahren

Der Aachener Aphasie-Test (AAT) ist das in Deutschland am weitesten verbreitete Instrument zur Diagnose und Verlaufskontrolle bei Aphasie. Es erfasst systematisch Spontansprache, Sprachverständnis, Benennen, Wiederholen, Lesen und Schreiben. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie MRT oder CT zum Einsatz, um den Ort und das Ausmaß der Hirnschädigung sichtbar zu machen.

Aphasietherapie: Behandlung und Wege zur Besserung

Die wichtigste Botschaft für alle Betroffenen und Angehörigen: Aphasie ist behandelbar. Das Gehirn besitzt eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Reorganisation – die sogenannte neuronale Plastizität. Auch Jahre nach der Hirnschädigung kann eine gezielte Aphasietherapie noch messbare Verbesserungen erzielen.

Sprachtherapie/Logopädie als Kernbehandlung

Die Sprachtherapie ist die zentrale Behandlungsform bei Aphasie. Ausgebildete Sprachtherapeuten oder Logopäden arbeiten gezielt an den gestörten sprachlichen Fähigkeiten. Die Therapie ist immer individuell angepasst, je nach Form, Schweregrad und persönlichen Zielen des Betroffenen.

  • Übungen zur Wortfindung und Benennleistung
  • Training des Sprachverständnisses
  • Lese- und Schreibübungen
  • Kommunikationstraining für den Alltag
  • PACE-Methode: Kommunikation durch alle verfügbaren Mittel (Sprache, Gestik, Schreiben, Zeichnen)

Hilfsmittel für Menschen mit Aphasie

Kommunikationstafeln und -bücher mit Bildern und Symbolen helfen dabei, Gedanken und Wünsche auch ohne Sprache auszudrücken. Für Menschen mit sehr eingeschränkter Sprachproduktion kommen Sprachausgabegeräte, sogenannte Talker, zum Einsatz, die gesprochene Sprache stellvertretend übernehmen. Ergänzend bieten Smartphone-Apps für unterstützte Kommunikation eine moderne und oft niedrigschwellige Möglichkeit, im Alltag kommunikationsfähig zu bleiben. Auch aphasiegerechte Texte und Materialien, mit vereinfachter Sprache, großer Schrift und unterstützenden Bildern, erleichtern das Verstehen und Lesen im täglichen Leben erheblich.

Tipps für die Kommunikation mit aphasischen Menschen

Wer mit einem aphasischen Menschen kommuniziert, sollte ruhig, deutlich und in kurzen, einfachen Sätzen sprechen und der Person dabei ausreichend Zeit lassen, ohne vorschnell zu unterbrechen oder Sätze zu ergänzen. Gestik, Mimik und Bilder können das gesprochene Wort sinnvoll unterstützen und das Verstehen erleichtern. Hilfreich sind außerdem geschlossene Fragen, die lediglich ein Ja oder Nein als Antwort erfordern, da sie die sprachliche Hürde deutlich senken. Laute oder ablenkungsreiche Umgebungen sollten nach Möglichkeit vermieden werden, da sie das ohnehin anstrengende Verstehen zusätzlich erschweren. Wichtig ist es zudem, das Verstandene zu bestätigen und nachzufragen, wenn etwas unklar bleibt. So entsteht echte Kommunikation, auch wenn sie langsamer verläuft als gewohnt.

Selbsthilfe-Tipps für Menschen mit Aphasie

Tägliches Üben ist eine der wirkungsvollsten Strategien, denn auch kleine Alltagssituationen, ein kurzes Gespräch an der Kasse oder das Benennen von Gegenständen zu Hause, sind wertvolles Sprachtraining. Schriftliche Notizen, Bilder oder ein persönliches Kommunikationsbuch können dabei helfen, sich in schwierigen Momenten verständlich zu machen und Unsicherheiten zu überbrücken. Der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Aphasie-Selbsthilfegruppe gibt nicht nur praktische Impulse, sondern auch das wichtige Gefühl, mit den eigenen Erfahrungen nicht allein zu sein. Es lohnt sich außerdem, Freunde und Bekannte offen über die Einschränkungen zu informieren, denn Unwissenheit ist oft die Ursache für Missverständnisse, die sich mit ein paar erklärenden Worten leicht vermeiden lassen.

Eine Tochter erzählt: „Als mein Vater nach dem Schlaganfall nicht mehr sprechen konnte, wusste ich zuerst nicht, wie ich mit ihm umgehen sollte. Ich habe Angst gehabt, etwas falsch zu machen. Erst durch das Beratungsgespräch mit seiner Logopädin habe ich verstanden: Es geht nicht darum, perfekte Kommunikation herzustellen. Es geht darum, da zu sein.“

 

Genau das ist es, was Menschen mit Aphasie am meisten brauchen: Begleitung, Geduld und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Pflegegrad bei Aphasie: Haben Betroffene Anspruch auf Leistungen?

Eine der wichtigsten Fragen für Betroffene und ihre Familien ist: Gibt es bei Aphasie einen Pflegegrad und welche Leistungen stehen mir dann zu? Die klare Antwort lautet: Ja. Menschen mit Aphasie können einen Pflegegrad beantragen und haben häufig Anspruch auf umfangreiche Unterstützungsleistungen der Pflegekasse.

Was ist ein Pflegegrad?

Der Pflegegrad beschreibt das Ausmaß der Einschränkung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten eines Menschen. Er wird durch den Medizinischen Dienst (MD) oder Medicproof im Rahmen eines Begutachtungsverfahrens festgestellt. In Deutschland gibt es fünf Pflegegrade (PG 1 bis PG 5). Je höher der Pflegegrad, desto stärker sind die Beeinträchtigungen und desto umfangreicher sind die Leistungen der Pflegekasse.

Wie wird der Pflegegrad bei Aphasie ermittelt?

Das Begutachtungsverfahren erfasst sechs Lebensbereiche:

  • Mobilität (Fortbewegung, Treppensteigen etc.)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten – hier ist Aphasie besonders relevant
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung (Körperpflege, Essen, Anziehen)
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte 

Für Menschen mit Aphasie ist insbesondere das Modul „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten“ entscheidend. Dieses erfasst unter anderem die Fähigkeit, örtliche und zeitliche Orientierung zu erkennen, Gespräche zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und Risiken einzuschätzen. Schwere Aphasien, die das Sprachverständnis, die Kommunikation und die Alltagsbewältigung massiv einschränken, können zu einem Pflegegrad 3, 4 oder sogar 5 führen. Auch leichtere Formen können einen Pflegegrad 1 oder 2 begründen, wenn die Alltagsfähigkeiten spürbar beeinträchtigt sind.

Wichtige Information: Pflegegrad und Aphasie

Die Sprachstörung allein reicht in der Regel nicht für einen hohen Pflegegrad aus. Entscheidend ist, wie stark die Gesamtselbstständigkeit im Alltag beeinträchtigt ist. Viele Aphasiker haben zusätzliche körperliche Einschränkungen durch den Schlaganfall (z. B. Halbseitenlähmung), was die Begutachtung beeinflusst.

Wie beantrage ich einen Pflegegrad?

Der Antrag auf Pflegegrad wird schriftlich bei der zuständigen Pflegekasse gestellt, das ist in der Regel die Krankenkasse des Betroffenen. Folgende Schritte sind dabei wichtig:

  • Antrag per Telefon, Online-Formular oder Brief bei der Pflegekasse stellen
  • Die Pflegekasse beauftragt daraufhin den Medizinischen Dienst (MD) mit einer Begutachtung
  • Der Gutachter besucht die betroffene Person in der häuslichen Umgebung
  • Innerhalb von 25 Arbeitstagen erhalten Sie den Bescheid
  • Bei Ablehnung oder zu niedrigem Pflegegrad: Widerspruch einlegen!

Haushaltshilfe bei Aphasie: Zuhause bleiben – mit der richtigen Unterstützung

Wenn der Alltag durch Aphasie und die damit verbundenen Einschränkungen zu viel wird, ist eine professionelle Haushaltshilfe oder Alltagsbegleitung eine der wichtigsten Entlastungsmaßnahmen. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie hierauf bereits ab Pflegegrad 1 Anspruch haben können und die Kosten in vielen Fällen von der Pflegekasse oder Krankenkasse übernommen werden.

Welche Möglichkeiten gibt es für eine Haushaltshilfe?

Haushaltshilfe über die Krankenkasse (§ 38 SGB V)

Menschen, die wegen Krankheit, Operation oder eines Klinikaufenthalts vorübergehend nicht in der Lage sind, ihren Haushalt selbst zu führen, haben Anspruch auf Haushaltshilfe durch die gesetzliche Krankenversicherung.

Voraussetzung ist:

  • Haushaltsführung ist durch die Erkrankung nicht möglich
  • Im Haushalt lebt ein Kind unter 12 Jahren oder ein pflegebedürftiges Kind oder die betroffene Person ist selbst auf Hilfe angewiesen
  • Ein Arzt verordnet die Haushaltshilfe

Tipp: Auch in der Akutphase nach einem Schlaganfall kann eine Haushaltshilfe über die Krankenkasse beantragt werden. Sprechen Sie Ihren Arzt aktiv darauf an!

Haushaltshilfe über die Pflegekasse (Entlastungsbetrag)

Ab Pflegegrad 1 stehen monatlich 131 Euro als Entlastungsbetrag zur Verfügung. Dieser Betrag ist zweckgebunden und kann für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag verwendet werden, darunter professionelle Haushaltshilfen und Alltagsbegleitungen. Die Leistungen müssen über anerkannte Dienstleister abgerufen werden.

  • Keine Antragstellung bei der Pflegekasse nötig, der Entlastungsbetrag ist automatisch im Pflegegrad enthalten
  • Nicht ausgegebene Beträge können innerhalb des Folgejahres aufgespart werden
  • Anerkannte Anbieter sind z. B. Pflegedienste, Sozialstationen und zugelassene Alltagsbegleitungen
  • So beantragen Sie eine Haushaltshilfe – Schritt für Schritt

Pflegegrad prüfen lassen oder beantragen (bei der Pflegekasse)

  • Ärztliche Verordnung für Haushaltshilfe beim Hausarzt oder Neurologen einholen (bei Kassenlösungen)
  • Anerkannten Dienstleister für Haushaltshilfe kontaktieren und Beratungsgespräch vereinbaren
  • Art und Umfang der Leistungen gemeinsam festlegen
  • Abrechnung direkt über die Pflegekasse oder Krankenkasse klären
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Alltagsbegleitung bei Aphasie: mehr als nur Haushalt

Eine gute Alltagsbegleitung für Menschen mit Aphasie geht weit über Hausarbeit hinaus. Sie ist Kommunikationspartnerin, Begleiterin bei Terminen, Vertrauensperson und ein Stück Normalität in einem Alltag, der sich durch die Sprachstörung tiefgreifend verändert hat.

Hausarbeit und Versorgung

Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem langen Klinikaufenthalt nach Hause und die Wohnung ist bereits ordentlich, das Bett frisch bezogen, der Kühlschrank gefüllt, die Wäsche gewaschen. Genau das organisieren empathische Haushaltshilfen für viele Betroffene. Keine Kraft verschwenden für das Drumherum – alle Energie für die Genesung.

Begleitung zu Terminen

Ob Kontrolltermin beim Neurologen, Sprachtherapie oder Behördengang: Mit Aphasie sind viele Situationen außerhalb des geschützten Rahmens zu Hause besonders anspruchsvoll. Eine vertraute Begleitperson sorgt dafür, dass nichts Wichtiges vergessen wird und Betroffene sich sicher und verstanden fühlen.

Soziale Teilhabe und kleine Freuden

Für viele unserer Kund:innen ist der gemeinsame Spaziergang um den Block der wichtigste Termin des Tages. Eine gute Alltagsbegleitung nimmt sich Zeit: für Bewegung, für Gespräche, auch wenn sie langsam und mühsam sind, für ein Stück Normalität, das durch Aphasie nicht verloren gehen muss.

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