Mundhygiene bei pflegebedürftigen Menschen – Tipps für pflegende Angehörige

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Die Mundhygiene spielt in der Altenpflege und bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen eine entscheidende Rolle. Sie trägt nicht nur zur Mundgesundheit, sondern auch zum allgemeinen Wohlbefinden und zur Gesundheit des gesamten Körpers bei. Gerade im Alter, bei Pflegebedürftigkeit oder nach einer OP benötigen viele Menschen Unterstützung im Mundbereich. Dieser umfassende Ratgeber richtet sich an pflegende Angehörige und Pflegekräfte, die zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen tätig sind, und bietet praxisnahe Tipps, Hintergrundwissen und hilfreiche Maßnahmen für eine gute Mundpflege. Bedeutung der Mundhygiene in der Altenpflege Die Pflege der Zähne und des Mundraums ist ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Pflege. Eine gute…

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Inhaltsverzeichnis

Die Mundhygiene spielt in der Altenpflege und bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen eine entscheidende Rolle. Sie trägt nicht nur zur Mundgesundheit, sondern auch zum allgemeinen Wohlbefinden und zur Gesundheit des gesamten Körpers bei. Gerade im Alter, bei Pflegebedürftigkeit oder nach einer OP benötigen viele Menschen Unterstützung im Mundbereich.

Dieser umfassende Ratgeber richtet sich an pflegende Angehörige und Pflegekräfte, die zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen tätig sind, und bietet praxisnahe Tipps, Hintergrundwissen und hilfreiche Maßnahmen für eine gute Mundpflege.

Bedeutung der Mundhygiene in der Altenpflege

Die Pflege der Zähne und des Mundraums ist ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Pflege. Eine gute Mundhygiene unterstützt nicht nur die Zahngesundheit, sondern schützt den Organismus insgesamt. Bakterien aus der Mundhöhle können Entzündungen verstärken und zu schweren Erkrankungen beitragen, darunter Parodontitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Besonders für pflegebedürftige Personen ist eine gezielte und regelmäßige Mundpflege unerlässlich, da sie oft nicht mehr allein Zähne putzen oder Zahnersatz reinigen können.

Herausforderungen bei pflegebedürftigen Menschen

Pflegebedürftige Menschen haben häufig körperliche oder kognitive Einschränkungen, die die tägliche Mundpflege erschweren. Zu den häufigsten Problemen gehören:

  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Hände, was das Halten einer Zahnbürste erschwert
  • Demenzbedingte Abwehrreaktionen, z. B. durch Unverständnis oder Angst
  • Trockener Mund, oft bedingt durch Medikamente
  • Schmerzen im Zahnfleisch, der Mundschleimhaut oder an Zahnhälsen
  • Würgereiz, der das Zähneputzen oder Reinigen der Zunge schwierig macht

Diese Herausforderungen erfordern Geduld, Wissen, geeignete Hilfsmittel und eine individuelle Vorgehensweise.

Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und allgemeinen Erkrankungen

Studien zeigen deutlich, dass ein schlechter Zustand der Zähne und des Zahnfleisches Auswirkungen auf den gesamten Körper hat. Bakterien können über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen und dort Entzündungen fördern. Dies erhöht das Risiko für:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Lungenentzündungen
  • Diabetes-Komplikationen
  • parodontal bedingten Zahnverlust

Pflegende Angehörige tragen daher mit einer guten Mundpflege maßgeblich zur Gesundheit des Körpers und des Organismus ihrer Angehörigen bei.

Rolle von pflegenden Angehörigen und Pflegekräften bei der Mundhygiene

Pflegende Angehörige und Pflegepersonal sind oft die wichtigsten Personen, wenn es um tägliche Mundpflege und Zahnreinigung geht.

Ihre Aufgaben umfassen:

  • Beobachtung des Mundbereichs
  • Unterstützung oder Übernahme beim Zähneputzen
  • Auswahl geeigneter Hilfsmittel
  • Zusammenarbeit mit Zahnärzten
  • Umsetzung von Standards wie dem Expertenstandard zur Mundpflege

Die Verantwortung ist groß, aber mit den richtigen Tipps und Maßnahmen gut zu bewältigen.

Der Expertenstandard zur Mundpflege nach DMS V (5. deutsche Mundgesundheitsstudie)

Der Expertenstandard Mundpflege nach DMS V legt fest, wie professionelle Pflegekräfte eine umfassende Mundpflege sicherstellen. Er enthält Richtlinien zur Beobachtung, Dokumentation, Schulung und Umsetzung aller Maßnahmen rund um Mundhygiene und Zahnpflege.

Für pflegende Angehörige dient er als Orientierungshilfe:

  • Wie oft wird gereinigt?
  • Welche Produkte werden eingesetzt?
  • Wie werden zahnlose oder teils zahnlose Bewohner versorgt?

Viele Pflegeeinrichtungen orientieren sich bereits daran. Für Angehörige bietet der Standard aufschlussreiche Informationen, die leicht in den Alltag zu Hause integriert werden können.

Grundprinzipien der täglichen Mundhygiene

Eine vollständige Mundpflege umfasst mehrere Bereiche:

  • Reinigung der Zähne (Zähneputzen, Zahnzwischenräume)
  • Pflege der Mundhöhle (Mundschleimhaut, Zunge, Zahnfleisch)
  • Prothesenpflege bei Zahnersatz
  • Beurteilung des Mundraums (rote Stellen, Beläge, Druckstellen)
  • Befeuchtung bei trockenem Mund

Jede Maßnahme trägt dazu bei, Entzündungen, Mundgeruch und Zahnbelag zu vermeiden.

Anleitung zum Zähneputzen bei Pflegebedürftigen

Beim Zähneputzen unterstützt die Pflegekraft oder die betreuende Person den pflegebedürftigen Menschen so weit wie nötig.

Folgende Schritte haben sich bewährt:

Vorbereitung

  • Hände gründlich waschen
  • Mundpflege-Utensilien bereitstellen
  • Person bequem positionieren (aufrecht, Kopf leicht nach vorn)
  • Gute Beleuchtung sicherstellen

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zahnbürste leicht befeuchten, kleine Menge Zahnpasta auftragen
  2. Zahn für Zahn reinigen, so kann sichergestellt werden, dass die Zähne ausreichend sauber sind
  3. Bewegungen klein und sanft halten, um die Zahnhälse zu schonen
  4. Außenflächen, Innenflächen und Kauflächen reinigen
  5. Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide säubern
  6. Zunge sanft abbürsten, um Mundgeruch zu reduzieren

Umgang mit Widerstand bei der Mundhygiene

Pflegebedürftige Menschen reagieren in der Mundpflege manchmal mit Ablehnung, Abwehr oder Angst. Gründe dafür können Unwohlsein, Schmerzen, Scham, Überforderung oder auch eine veränderte Wahrnehmung, etwa bei Demenz, sein. Ein einfühlsamer Umgang ist entscheidend, um die Situation für alle Beteiligten zu erleichtern.

1. Geduld und Ruhe bewahren
Zwang oder hastige Bewegungen verschlimmern Widerstand oft. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und versuchen Sie, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Zeigt die Person Anspannung, kann eine kurze Pause helfen. Viele pflegebedürftige Menschen reagieren positiv darauf, wenn die Pflegekraft selbst ruhig atmet und ihr Verhalten anpasst.

2. Sanfte, klare Kommunikation
Eine ruhige Ansprache in kurzen Sätzen gibt Orientierung:

  • „Ich möchte dir deine Zähne putzen. Ich mache das langsam.“
  • „Sag mir bitte Bescheid, wenn etwas unangenehm ist.“

Manchmal hilft es, jeden Schritt vorher anzukündigen oder mit einer Berührung am Oberarm zu verbinden, damit die Person die Handlung besser einordnen kann.

3. Positive Grundhaltung und Ermutigung
Ein freundliches Lächeln, Blickkontakt und Lob („Das machst du gut“) stärken Vertrauen. Menschen spüren, wenn jemand ihnen wohlgesonnen ist. Eine positive Haltung kann Ängste reduzieren.

4. Selbstbestimmung fördern
Widerstand entsteht häufig, wenn sich Pflegebedürftige ausgeliefert fühlen. Schon kleine Formen der Beteiligung helfen:

  • Die Person die Zahnbürste selbst halten lassen (auch wenn Sie führen).
  • Aus zwei Zahnpasten wählen lassen.
  • Fragen wie: „Möchtest du lieber sitzen oder stehen?“

Das stärkt das Gefühl von Kontrolle und reduziert Abwehrverhalten.

5. Schrittweises Vorgehen
Anstatt alles auf einmal zu machen, können die Aufgaben aufgeteilt werden: erst die Vorderzähne, später die Zahninnenflächen, dann die Zunge. So wirkt die Situation weniger überfordernd.

6. Beobachtung und Schmerzmanagement
Widerstand kann ein Hinweis auf Schmerzen sein, etwa bei entzündetem Zahnfleisch oder Druckstellen durch Zahnersatz. Wenn die Person auf bestimmte Berührungen immer wieder empfindlich reagiert, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.

7. Rituale nutzen
Wiedererkennbare Abläufe schaffen Sicherheit. Eine bestimmte Musik, ein vertrauter Duft oder immer dieselbe Reihenfolge der Mundpflege können Abwehrreaktionen reduzieren, besonders bei Menschen mit Demenz.

8. Ablenkung einsetzen
Leichte Ablenkung funktioniert bei manchen gut:

  • Ein Gegenstand zum Halten
  • Eine einfache Frage („Wie hat dir das Frühstück geschmeckt?“)
  • Musik im Hintergrund

Sie lenkt von unangenehmen Empfindungen ab und entspannt die Situation.

9. Grenzen respektieren
Wenn eine Person massiv ablehnt, ist es besser, den Versuch zu unterbrechen und später erneut zu starten. Manchmal hilft es, dass eine andere vertraute Person die Mundpflege übernimmt.

Hilfsmittel für eine erleichterte Mundpflege

Hilfsmittel sind ein wichtiger Baustein der Pflege, da sie den Alltag erleichtern und die Selbstständigkeit fördern können.

  • Dreikopfzahnbürste

Eine Dreikopfzahnbürste reinigt drei Flächen gleichzeitig, ideal für Menschen, die nur kurze Putzbewegungen ermöglichen.

  • Zungenreiniger

Ein Zungenreiniger entfernt Beläge auf der Zunge und wirkt effektiv gegen Mundgeruch.

  • Griffverstärkungen

Eine Griffverstärkung erleichtert das Halten der Zahnbürste bei schwacher Handkraft oder eingeschränkter Beweglichkeit.

  • Elektrische Zahnbürsten

Gerade bei Senioren können elektrische Zahnbürsten hilfreich sein, da sie weniger Kraft erfordern und gleichmäßige Bewegungen gewährleisten.

Zahnpflege bei Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz benötigen oft besondere Unterstützung und Maßnahmen bei der Mundyhiene:

  • Rituale schaffen Sicherheit
  • Kurze, klare Anweisungen geben
  • Spiegeln („Ich mache es vor, du machst es nach“)
  • Positive Verstärkung nutzen
  • Pflegestandard beachten und nach Möglichkeit an Gewohnheiten anknüpfen

Eine ruhige Atmosphäre und vertraute Abläufe helfen, die Mundpflege erfolgreich durchzuführen.

Mundpflege ohne Zähne – Pflege des Mundraums

Auch für zahnlose Menschen ist die Pflege der Mundhöhle entscheidend.

Der Mundraum sollte täglich gereinigt werden. Darunter fallen:

  • Zahnfleisch
  • Mundschleimhaut
  • Gaumen
  • Innenseiten der Wangen
  • Zunge

Mit weichen Schaumstoffstäbchen oder speziellen Tupfern lässt sich dies besonders schonend durchführen.

Zahnersatz und Prothesenpflege

Zahnersatz, ob vollständige Zahnprothese oder Teilprothese, benötigt tägliche Pflege. Diese kann so aussehen:

  • Prothesen täglich herausnehmen
  • Mit Prothesenbürste und milder Seife reinigen
  • Über Nacht in Wasser oder spezieller Lösung lagern
  • Mundraum vorher und nachher kontrollieren

Druckstellen, Rötungen oder Schmerzen weisen oft auf schlecht sitzende Prothesen hin und müssen durch Zahnärzte abgeklärt werden.

Maßnahmen gegen Entzündungen, Mundgeruch und trockenen Mund

Trockener Mund ist ein häufiges Problem bei Pflegebedürftigen.

Wichtige Maßnahmen:

  • Regelmäßige Befeuchtung des Mundes
  • Anregen der Speichelproduktion (z. B. durch Sprays oder spezielle Gele)
  • Zunge reinigen, um Mundgeruch zu vermeiden
  • Zahnbelag sorgfältig entfernen
  • Bei Entzündungen: milde Mundspüllösungen einsetzen (z. B. Kamille)

Entzündungen treten häufiger an der Mundschleimhaut, den Zahnhälsen oder am Zahnfleisch auf. Hier gilt primär: frühzeitig handeln, um Folgeschäden zu minimieren.

Zusammenarbeit mit Zahnärzten

Eine gute Kooperation mit Zahnärzten ist essenziell. Regelmäßige Kontrollen, idealerweise zweimal pro Jahr, helfen, Probleme wie Zahnstein, Parodontitis oder Zahnverlust frühzeitig zu erkennen.

Viele Zahnärzte bieten auch Hausbesuche an, speziell für Menschen, die das Haus nicht mehr verlassen können.

Schulung für Pflegepersonal und pflegende Angehörige zur Mundpflege

Schulung und Förderung des Wissens sind entscheidend. Pflegeeinrichtungen und auch Beratungsstellen bieten Fortbildungen zum Thema Mundpflege an.

Inhalte solcher Schulungen sind zum Beispiel:

  • Richtiger Einsatz von Hilfsmitteln
  • Erkennen von Problemen im Mundbereich
  • Umsetzung des Expertenstandards
  • Umgang mit herausforderndem Verhalten

Angehörige profitieren ebenfalls von verständlichen Anleitungen, Videos oder Beratungen durch Pflegekräfte oder Zahnärzte.

Beispiel für eine Mundpflegeroutine im Alltag

Eine mögliche tägliche Routine könnte so aussehen:

  1. Zähneputzen morgens nach dem Frühstück
  2. Reinigung der Prothese nach dem Mittagessen
  3. Kontrolle des Mundraums am Nachmittag
  4. Zähneputzen oder Mundpflege am Abend
  5. Feuchtigkeitsspender bei trockenem Mund bereithalten

Solche Routinen geben Pflegebedürftigen Struktur und Sicherheit.

Förderung von Wissen in Pflegeeinrichtungen und zu Hause

Pflegeeinrichtungen setzen zunehmend auf standardisierte Abläufe und die Integration des Mundpflegestandards in den Pflegealltag. Auch zu Hause lohnt es sich, einen kleinen Plan oder eine Checkliste zu erstellen, um sicherzustellen, dass alle Maßnahmen täglich und bei Bedarf durchgeführt werden.

Häufige Folgen unzureichender Mundpflege

Unzureichende Pflege des Mundes führt oft zu:

  • Entzündungen des Zahnfleisches
  • Parodontitis und Zahnverlust
  • Schmerzen und Druckstellen
  • Mundgeruch
  • verminderte Nahrungsaufnahme
  • schlechterem allgemeinen Wohlbefinden

Gerade ältere Menschen sind von diesen Folgen besonders betroffen.

Tipps für eine angenehme Pflegesituation

  • Geduldig bleiben
  • Positive Sprache nutzen
  • Zeit einplanen
  • Angenehme Beleuchtung
  • Pausen ermöglichen

Je entspannter die Situation, desto besser gelingt die Mundhygiene.

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Fazit: Mundpflege ist Lebensqualität

Gute Mundpflege ist weit mehr als Zähneputzen: Sie schützt die Gesundheit des gesamten Körpers, stärkt das Wohlbefinden und unterstützt pflegebedürftige Menschen dabei, ihr Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit Wissen, geeigneten Hilfsmitteln, klaren Routinen und regelmäßiger Zusammenarbeit mit Zahnärzten lässt sich der Mundbereich auch bei Pflegebedürftigkeit optimal versorgen. Die Agentur für Haushaltshilfe unterstützt Angehörige und Pflegekräfte dabei, diese wichtige Aufgabe verantwortungsvoll und fachkundig umzusetzen.

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