Frau B., 67 Jahre, verbrachte jeden Sommer auf dem Balkon. Die Sonne tat ihr gut, sie genoss die Wärme und das helle Licht. Erst als ihr Hautarzt bei einer Routineuntersuchung erste Veränderungen an der Haut entdeckte, merkte sie: Sie hatte die Sonne unterschätzt. Nicht weil sie unwissend war, sondern weil das Thema UV-Strahlung so vielen Menschen unklar bleibt.
Das wollen wir heute ändern.
Was ist UV-Strahlung – und warum ist sie unsichtbar gefährlich?
UV-Strahlung ist ein unsichtbarer Teil des Sonnenlichts. Sie liegt im Spektrum zwischen sichtbarem Licht und Röntgenstrahlung und unterteilt sich in drei Wellenlängenbereiche: UVA, UVB und UVC.
UV-A-Strahlen haben Wellenlängen von 315 bis 400 Nanometern. Sie dringen tiefer in die Haut ein als UVB-Strahlen und sind die Hauptursache für vorzeitige Hautalterung, Falten und langfristige Hautschäden. UVA-Strahlung erreicht uns das ganze Jahr über, auch durch Fensterglas und an bewölkten Tagen.
UV-B-Strahlen haben Wellenlängen von 280 bis 315 Nanometern und sind für Sonnenbrand verantwortlich. Sie erreichen nur etwa 10 Prozent der Erdoberfläche, da die Ozonschicht einen Großteil filtert. Dennoch ist ihre Wirkung erheblich: UVB-Strahlen können das Erbgut in Hautzellen schädigen und sind maßgeblich am erhöhten Hautkrebsrisiko beteiligt.
UV-C-Strahlen mit Wellenlängen von 100 bis 280 Nanometern werden vollständig von der Ozonschicht absorbiert und erreichen die Erdoberfläche unter normalen Bedingungen nicht.
An der Erdoberfläche sind es also vor allem UVA- und UVB-Strahlung, mit denen wir es täglich zu tun haben und beide haben unterschiedliche, aber gleichermaßen ernst zu nehmende Auswirkungen auf unsere Gesundheit.
Der UV-Index
Wie stark die UV-Strahlungsbelastung an einem bestimmten Tag ist, zeigt der UV-Index. Er misst die Intensität der ultravioletten Strahlung und reicht von 0 bis 11 und mehr. Bereits ab einem UV-Index von 3 sind Sonnenschutzmaßnahmen notwendig.
Der UV-Index wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst: die Stärke der Ozonschicht, den Sonnenstand, die Wetterbedingungen und die geografische Lage. In Deutschland kann der UV-Index an Sommertagen Werte von 8 oder höher erreichen, ein Wert, der ungeschützte Haut in kurzer Zeit schädigt.
Besonders wichtig: Die stärkste UV-Strahlung tritt zwischen 11 und 16 Uhr auf. Wer in dieser Zeit in der Sonne ist, setzt sich der höchsten Sonnenstrahlung des Tages aus.
Was UV-Strahlung mit Haut und Augen macht
Sonnenbrand – mehr als nur eine Rötung
Sonnenbrand ist die akute Wirkung von UV-Strahlung auf die Haut. Was sich als Hautrötung zeigt, ist in Wirklichkeit eine Entzündungsreaktion. Die Haut reagiert auf DNA-Schäden in den Hautzellen, die durch intensive Bestrahlung entstanden sind. Jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko für Hautkrebs.
Besonders gefährdet sind Kinder: Ihre Haut ist empfindlicher, die Hautschichten dünner. Kinder sollten maximal 10 Minuten ungeschützt in die Sonne, danach ist konsequenter Schutz unerlässlich.
Vorzeitige Hautalterung durch UVA
Die langfristige Wirkung von UVA-Strahlung ist weniger spektakulär als ein Sonnenbrand, aber mindestens so folgenreich. UVA-Strahlen dringen tief in die Haut ein, schädigen dort Kollagen und elastische Fasern und beschleunigen so die vorzeitige Hautalterung. Das Ergebnis: Falten, Pigmentflecken und eine ledrig wirkende Hautstruktur.
Hautkrebs durch UV-Strahlen
Häufige UV-Belastung kann Hautkrebs verursachen. Langfristige UV-Exposition schwächt zudem das Immunsystem der Haut, wirkt also immunsuppressiv und macht die Haut anfälliger für weitere Schädigungen. Das Hautkrebsrisiko steigt mit jedem ungeschützten Sonnenbad über das gesamte Leben.
Augenschäden: Oft vergessen, ernst zu nehmen
Intensive UV-Strahlung kann zu Augenschäden führen. Langfristige UV-Belastung kann zur Trübung der Augenlinse beitragen, auch bekannt als Grauer Star. Auch Sonnenbrand der Hornhaut (Keratitis) ist möglich, besonders bei Reflexion von UV-Strahlung durch Wasserflächen, Sand oder Schnee. Sonnenbrillen mit UV-Schutz sind daher kein modisches Accessoire, sondern medizinische Notwendigkeit.
Die ABC-Schutzregel: So schützen Sie sich richtig
Wirksamer Schutz folgt einer klaren Logik, der sogenannten ABC-Schutzregel:
A – Aufenthalt in der Sonne meiden, besonders zwischen 11 und 15 Uhr. Wer um diese Zeit im Schatten bleibt, reduziert seine UV-Strahlungsbelastung drastisch.
B – Bedeckung durch Kleidung und Kopfbedeckung. Dicht gewebte Kleidung bietet effektiven textilen UV-Schutz. Spezielle UV-Schutzkleidung muss mindestens LSF 40 aufweisen. Auch ein breitkrempiger Hut schützt Gesicht, Nacken und Schultern.
C – Cremen mit Sonnenschutzmitteln. Sonnencreme mit UVA- und UVB-Filter ist wichtig für den Schutz der unbedeckten Haut. Sonnenschutzmittel sollten mindestens LSF 50 haben und nach dem Baden oder Schwitzen immer nachgetragen werden, da die Schutzwirkung sonst deutlich nachlässt.
Was guter Sonnenschutz leisten muss
Nicht jede Sonnencreme ist gleich. Ein hochwertiges Sonnenschutzmittel enthält einen UV-Filter, der sowohl UVA- als auch UVB-Strahlung abwehrt. Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt dabei an, um welchen Faktor die Eigenschutzzeit der Haut verlängert wird.
Wer also normalerweise nach 10 Minuten einen Sonnenbrand bekommt und ein Mittel mit LSF 50 aufträgt, hat theoretisch 500 Minuten Schutz, in der Praxis aber nur dann, wenn die Sonnencreme ausreichend aufgetragen und regelmäßig erneuert wird.
Wichtig: Solarien bieten keinen Erholungseffekt und keinen „Basisschutz“ für den Urlaub. Sie setzen die Haut zusätzlicher UV-Strahlung aus und erhöhen das Hautkrebsrisiko nachweislich.
UV-Strahlung und Vitamin D – ein Widerspruch?
Vitamin D wird in der Haut durch Sonnenlicht gebildet, genauer durch UVB-Strahlung. Dieser Effekt ist real und wichtig für Knochen, Immunsystem und Wohlbefinden. Aber: Für eine ausreichende Vitamin-D-Synthese reichen in Deutschland schon kurze Aufenthalte im Freien – 10 bis 25 Minuten, je nach Jahreszeit und Hauttyp. Eine längere Sonnenexposition ohne Schutz erhöht den Vitamin-D-Spiegel nicht weiter, wohl aber das Risiko für Hautschäden.
Besondere Fürsorge für Menschen, die Unterstützung brauchen
Manchmal ist es nicht einfach, diese Empfehlungen selbst umzusetzen, zum Beispiel wenn man nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht vollständig mobil ist, wenn die eigene Wahrnehmung nachlässt oder wenn pflegende Angehörige ohnehin schon sehr viel tragen.
Herr A., 74 Jahre, hatte nach seiner Hüft-OP große Freude daran, täglich etwas Zeit auf dem Balkon zu verbringen. Seine Tochter machte sich Sorgen, nicht nur wegen der Sturzgefahr, sondern auch weil er vergaß, sich einzucremen und bei starker Sonnenstrahlung drinnen zu bleiben. Eine Alltagsbegleiterin übernahm auch diese kleinen, aber wichtigen Aufgaben: Sie erinnerte ihn an den richtigen Sonnenschutz, sorgte für ausreichend Schatten und begleitete ihn bei kleinen Spaziergängen zu den richtigen Tageszeiten.
Solche scheinbar kleinen Unterstützungen machen einen großen Unterschied – für die Gesundheit und für das Wohlbefinden.
Was Sie jetzt tun können
UV-Schutz ist kein Luxus, sondern Gesundheitsvorsorge. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Zwischen 11 und 16 Uhr Schatten suchen
- Sonnencreme mit mindestens LSF 50 und UVA/UVB-Schutz verwenden
- Sonnencreme nach dem Schwimmen oder Schwitzen erneuern
- UV-Schutzkleidung und Kopfbedeckung tragen
- Kinder besonders konsequent schützen
- Den UV-Index täglich im Blick behalten
- Augen mit einer Sonnenbrille mit UV-Schutz schützen
